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Mike Krauser ist tot. Die Erinnerung an eine große Motorrad-Persönlichkeit reicht weit über seinen Ruf als Motorrad-Mäzen und Koffer-Produzent hinaus. Am Donnerstag, dem 28. Februar 1991, um 23.00 Uhr ist Mike Krauser sen. im Alter von 63 Jahren überraschend an Herzversagen gestorben. Mike Krauser war unter anderem Chef der Krauser Motorrad-Koffersysteme-Fabrik im oberbayerischen Mering, Inhaber eines Motoreninstandsetzungsbetriebs, Produzent eines Vierventil-Zylinderkopfs für BMW-Boxer-Motorräder, Erbauer des exklusiven Domani-Gespanns und vielfach engagierter Motorrad-Mäzen. Von ihm unterstützte Rennfahrer holten zusammengerechnet mehr als zehn WM-Titel. Es wird schwer sein, ihn in allen diesen Funktionen zu ersetzen. Mike Krauser war aber vor allem ein Freund. Ein Freund, der Rennfahrer, die er unterstützte, ein Freund seiner Mitarbeiter und durch sein entwegtes, nicht durch vordergründige Profitsucht geprägtes Streben nach Innovationen im Motorradbereich vielleicht sogar ein Freund aller Motorradfahrer. Als Freund wird der kauzige Urbayer mit seinen markanten Sprüchen nicht zu ersetzen sein. Am 21. November 1927 wurde Mike Krauser in München geboren. Sein Vater führte dort eine Zylinderschleiferei, in der er später eine Lehre absolvierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg bastelte Mike Krauser sich aus alten Teilen sein erstes BMW-Gespann und startete damit ab 1948 bei Gras- und Sandbahnrennen. Immerhin zwei deutsche Vizetitel standen in der Bilanz, als Mike Krauser 1960 nach der Geburt seiner Tochter Ursula mit der Rennerei aufhörte. Sohn Michael kam 1962 zur Welt. Die Zylinderschleiferei wurde 1945 nach Germering, westlich von München, umgesiedelt und 1963 durch eine BMW-Automobilvertretung erweitert. Anfang der siebziger Jahre übernahm Krauser die Motorrad-Werksauslieferung für die BMW-Kunden außerhalb Europas. Seither hörte Mike Krauser fast nur noch auf den Namen Mike. Im engsten Freundeskreis hieß der schwergewichtige Tausendsassa allerdings immer noch „Gig“. Diesen Spitznamen fing sich Mike Krauser schon in früher Jugend ein, als er begann, sich für Motorradrennen zu interessieren und für den damaligen Sandbahn-Star Sepp Giggenbach schwärmte. In den frühen siebziger Jahren stieg er mit einem selbstentwickelten Fahreranzug ins Zubehörgeschäft ein. Nebenbei organisierte er einen Riesenausflug, die Krauser-Rallye, zu der jährlich über 300 Biker von München nach Tirol pilgerten. Weit über deutsche Grenzen hinaus wurde Mike Krauser aber erst als der „Koffer-Krauser“ bekannt. Aus Mangel an vernünftigen Motorradkoffern fing er 1972 selbst mit dem Entwurf und der Produktion von qualitativ hochstehenden Packtaschen an, die er immer und immer wieder zu perfekten Systemen weiterentwickelte. 1976 zog das Unternehmen an den heutigen Standort Mering und avancierte schnell zu einem der größten Motorradkoffer-Hersteller der Welt. Aber nicht nur auf Koffersysteme wurde der Krauser-Schriftzug in aller Welt bekannt. Mehr als zehn Weltmeistertitel wurden in Krauser-Farben errungen. Zeitweilig fuhren mit dem großen K auf der Verkleidung und Kombi der fünfmalige 250er- und 350er-Weltmeister Toni Mang, der viermalige 50er- und 80er-Champion Stefan Dörflinger, der vierfache Sandbahn-Weltmeister Karl Maier, auch der Eisspeedway-Mannschafts-Weltmeister Max Niedermayer sowie die Gespann-Asse Rolf Biland, Werner Schwärzel, Steve Webster und der aktuelle Gespann-Champion Alain Michel. Selbst der Amerikaner Freddie Spencer, Mitte der achtziger Jahre dreimal Weltmeister, wurde in seinen Anfängen von Mike Krauser unterstützt. Er finanzierte dem Talent 1980 seinen ersten Ausflug nach Europa zum WM-Lauf in Zolder. Auch Spencers Landsmann Randy Mamola, dreifacher Vize-Weltmeister in der 500-cm³-Klasse, war eine Zeit lang Mitglied der Krauser-Rennfamilie. Mike Krauser förderte allerdings nicht nur einzelne Rennfahrer. Sein Engagement in der Gespann-Klasse rettete der von den Werken längst aufgegebene Weltmeisterschafts-Kategorie schlicht das Überleben als Grand Prix-Klasse. Die von ihm konstruierten Motoren, zahllose neue Impulse und auch sein persönlicher Einsatz für diese Klasse erhielten die immer wieder angefeindeten Dreiräder im internationalen Rampenlicht. Als letztes präsentierte er 1989 gemeinsam mit Bosch eine Einspritzanlage für Gespannmotoren, lange vor den Rennabteilungen der japanischen Werke. Auch die Rennabteilungen von Kreidler und später von Zündapp konnten nach dem finanziellen Garaus der Werke unter Mike Krauser ihre Arbeit fortsetzen. Aus der 80er Zündapp wurde die 80er Krauser, die sogar zu Markenweltmeisterehren kam. Peter Öttl fuhr als letzter Krauser-Solist im Grand Prix-Zirkus beim Grand Prix in Brünn 1989, dem letzten 80er WM-Lauf überhaupt, nur knapp am WM-Titel vorbei. In der Krauser-Rennabteilung entstand nach dem Ende der 80er Klasse unter der Leitung des Krauser-Sohnes Michael jun. Und dem schwäbischen Techniker Herbert Rittberger eine Krauser-Rennmaschine mit 125cm³. Die Kostenexplosion im GP-Geschäft, vor allem aber der massive Einstieg des Giganten Honda in die Achtelliter-Klasse besiegelten im Winter 1989/1990 das vorläufige Ende der 125er-Projekts noch vor den ersten Rennen. Mike Krauser war enttäuscht, vor allem von seinen Mitstreitern. „Mein ganzes Engagement hab’ ich immer aus Liebe und Interesse an der Sache eingegangen. Wenn aber keiner mehr mitmacht, mag i’ au nimmer“, sagte Krauser im Februar 1990. „Bereuen tu ich aber gar nichts.“ Dennoch, der Grand Prix-Sport war nicht mehr die Welt von Mike Krauser, dem die Freundschaft zu den Rennfahrern mindestens genau soviel bedeutete wie deren Erfolg. „Es gibt Leute, die verdienen mehr als die verdienen und umgekehrt“, kommentierte er die derzeitige Situation der WM-Szene. Millionenschwere Sponsorauftritte und das PR-orientierte Verhalten der Stars passte nicht mehr in Mike Krausers Bild von Motorradrennsport. „Der Rennsport war nicht gut zu ihm“, meinte Peter Öttl nach Krausers Tod. „Er hat sehr vielen Leuten geholfen und nicht immer Dank geerntet.“ Für Öttl wie auch für einige andere Schützlinge war Krauser mehr als nur Sponsor. „Egal, welches Problem ich hatte, er war immer mit Rat und Tat zur Stelle.“ Auch wenn sich Mike Krauser bereits 1990 mehr und mehr aus dem Grand Prix-Geschäft zurückgezogen hat, standen die Räder in seinem Kopf nie still. Mike Krauser hat zweifelsohne Motorradgeschichte geschrieben und wird in der Szene als Macher und große Persönlichkeit fehlen.